Darum geht es
Viele Eltern hätten gern eine feste Zeit: jeden Tag um zehn Uhr raus. Das klappt, bis der Sommer den Gehweg in einen Backofen verwandelt oder die Temperatur im Winter schon um drei Uhr nachmittags absackt.
Welche Zeit am angenehmsten ist, hängt von Jahreszeit, Wind und dem Boden unter den Rädern ab. Die stündliche Vorhersage zeigt dir die mildesten Stunden. Das letzte Wort hat aber der Tagesrhythmus deines Babys.
Stunden vergleichen statt feste Uhrzeit
Wo ihr lauft, verändert, wie sich die Zahlen anfühlen. Windige 14° auf einem offenen Uferweg können ungemütlich sein, während es zur selben Stunde in einer ruhigen Allee mild und geschützt ist. Am stärksten wirkt Wind dort, wo er freie Bahn hat. Ab 25 km/h Wind gehört eine winddichte Jacke in den Korb, damit eine zugige Ecke den Spaziergang nicht vorzeitig beendet.
Heiße Tage: morgens ist nicht gleich abends
In der Vorhersage sehen Morgen und Abend beide kühler aus, auf der Straße fühlen sie sich aber ganz verschieden an. Morgens ist der Boden abgekühlt: Gehwege, Asphalt und Hauswände hatten die ganze Nacht Zeit, ihre Wärme abzugeben. Die Luft auf Höhe des Kinderwagens bleibt dadurch frischer. Um sechs Uhr abends steht die Sonne zwar tiefer, aber der Asphalt strahlt die Hitze noch direkt nach oben in den Sitz.
Bei etwa 32° gefühlter Temperatur werden selbst die kühleren Stunden für ein Baby anstrengend. Gehst du bei großer Hitze raus, bleib auf Grünflächen im Schatten der Bäume und halt den Weg kurz. Fühl im Nacken, wie dein Baby mit der Wärme zurechtkommt, und biete öfter die Brust oder das Fläschchen an.

Im Winter ist die Mittagszeit oft angenehmer
Im Winter ist alles umgekehrt. Mittags ist es meist am wärmsten, doch der eigentliche Vorteil sind Tageslicht und Sicherheit. Die tief stehende Wintersonne gibt mittags das bisschen Wärme, das sie hat. Noch wichtiger: Bis es dunkel wird, bleibt genug Zeit. Unter 0° kann die Temperatur nachmittags schnell fallen, sobald die Sonne hinter den Dächern verschwindet.
Ruhige Kälte lässt sich mit warmer Kleidung und einem Fußsack gut abfangen. Unangenehm wird ein Winterspaziergang durch schneidenden Wind. Ein grauer, windstiller Mittag fühlt sich fast immer milder an als ein strahlender Morgen mit eisigen Böen.
Kühle Luft heißt nicht wenig UV
Bei frischer Luft vergisst man den Sonnenschutz leicht. Im Frühling und Frühherbst kann ein frischer Morgen mit 16° gut einen UV-Index von 3 oder mehr haben. Der Wind fühlt sich kühl an, die zarte Haut bekommt die UV-Strahlung trotzdem ab. Das Sonnenverdeck ist nicht nur etwas für heiße Tage. Es gehört auf den Kinderwagen, sobald der UV-Index steigt.
Wie du freie Haut schützt, hängt vom Alter ab. Unter 6 Monaten setzt du auf Schatten, Hüte mit breiter Krempe und leichte, bedeckende Kleidung statt Sonnencreme. Findest du keinen luftigen Schattenplatz, frag in der Kinderarztpraxis, bevor du eincremst. Ab 6 Monaten kommt Sonnencreme auf die Haut, die frei bleibt. Schau auf den stündlichen UV-Wert, statt nach den Wolken zu schätzen.
An manchen Tagen passt keine Stunde
An manchen Tagen sieht jede Stunde ungemütlich aus: Dauernieselregen, rauer Wind oder Schwüle, die einfach nicht weicht. Mach dir dann keinen Druck. An so einem Tag drinnen zu bleiben, ist völlig in Ordnung. Frische Luft tut gut. Wer den Kinderwagen trotzdem durch jedes Schmuddelwetter schiebt, bekommt dafür aber keinen Orden.
Wenn euch beiden die Decke auf den Kopf fällt, reicht eine kleine Runde von zwanzig Minuten. Es muss keine Expedition quer durch die Stadt sein. Einmal um den Block mit gut sitzendem Regenschutz kann ein quengeliges Baby beruhigen und dir den Kopf frei machen. Wird der Regen stärker oder fängt dein Baby an zu weinen, ist die Haustür nur zwei Minuten entfernt.
Deine Nachbarschaft zu kennen, hilft mehr als der ständige Blick auf die Vorhersage. Eine geschützte Straße mit hohen Hecken oder ein Innenhof mit Garten ist ein angenehmer Weg, wenn der Wind über die offenen Straßen fegt.
Trinken und Schlafen geben den Ausschlag
Das Wetter gibt nur den Rahmen vor, den Ablauf bestimmt dein Baby. Überleg dir vor dem Schuhebinden, was für ein Spaziergang es werden soll. Soll dein Baby unterwegs einschlafen, hilft eine kühlere, ruhigere Stunde. Pack es warm ein, nimm einen ebenen Weg und lass das Schaukeln wirken.
Ist dein Baby hellwach, such dir mildere Bedingungen. Ein weinendes Baby auf einer kalten, zugigen Parkbank zu beruhigen oder zu füttern, stresst alle. Gib deinem Baby vor dem Losgehen noch zu trinken, pack eine zusätzliche Schicht in den Korb, falls der Wind auffrischt, und verlass dich mehr auf den gewohnten Ablauf als auf kleine Änderungen in der Vorhersage.


An heißen Tagen
Geh früh morgens los, bevor sich der Asphalt aufheizt. Abends bleib lieber auf Wiesen und schattigen Parkwegen.

An kalten Tagen
Geh um die Mittagszeit raus, wenn es hell und etwas milder ist. Mach dich schon am frühen Nachmittag auf den Heimweg. Dann erwischt dich kein plötzlicher Temperatursturz.
Ein guter Spaziergang ist einer, nach dem es euch beiden besser geht als vorher. Nimm die angenehmste Stunde, bleib flexibel und geh rein, sobald einer von euch genug hat.
Häufige Fragen
Ist der UV-Index bei Wolken immer niedriger?
Nein. Wolken schwächen das direkte Sonnenlicht ab, lassen aber bis zu achtzig Prozent der UV-Strahlung durch. Verlass dich lieber auf den stündlichen UV-Wert als auf die Wolkendecke, und nutz ab UV 3 Sonnenschutz.
Kann ich rausgehen, wenn jede Stunde schlechtes Wetter bringt?
Ja, für eine kurze Runde nahe der Haustür, wenn es sicher ist. Bei amtlichen Unwetterwarnungen, Glätte oder extremer Hitze geh nie raus. Sieht das Wetter richtig ungemütlich aus, ist ein Tag drinnen eine gute Entscheidung.







