Darum geht es
Nach dem Winterspaziergang öffnest du den Kinderwagen, und zwei knallrote Wangen leuchten dir entgegen. Da erschrickt man leicht. Meist ist das Rot aber nur gesundes Blut, das wieder in die kühle Haut strömt.
Trotzdem: Kalte Luft entzieht der Haut schnell Feuchtigkeit. Kommt zum frischen Wind noch Sabber vom Zahnen oder ein steifer Jackenkragen, können die Wangen bis zum Abend rau und wund werden. Guter Hautschutz beginnt deshalb mit der Frage: Wogegen geht es heute draußen?
Kalter Wind trocknet die Haut aus
Eine Studie in der Fachzeitschrift Pediatric Dermatology fand, dass die äußerste Hautschicht bei Babys etwa 30 % dünner war als bei Erwachsenen. Bei frischer Luft oder Minusgraden verliert sie schnell Feuchtigkeit, erst recht, wenn böiger Wind über den Kinderwagen fegt.
Am einfachsten schützt eine dünne Schicht fettreiche, wasserfreie Wind- und Wettercreme oder reine Vaseline, direkt vor dem Rausgehen auf die Wangen gestrichen. Der Fettfilm bremst den Feuchtigkeitsverlust.
Die Creme schützt nur das Stückchen Wange, auf dem sie liegt. Um den Rest kümmern sich eine gut sitzende Strickmütze über Stirn und Ohren und eine winddichte äußere Schicht.

Was an der Haut reibt
Kalter Wind kommt selten allein. Viele rote Wangen im Winter sind eigentlich ein Sabberausschlag. Weicht Sabber vom Zahnen das Lätzchen oder den Kragen durch, liegt der nasse Stoff im Wind eiskalt am Kinn. Scheuert dann noch ein Reißverschluss am Kiefer, sind nach ein paar Straßen wunde, entzündete Stellen da.
Tausch feuchte Lätzchen sofort aus, genauso Oberteile mit nassem Kragen. Berührt ein steifer Reißverschluss oder ein kratziger Wollkragen das Kinn, leg eine weiche Lage Baumwolle zwischen Stoff und Haut.
Auch zu viel Wärme drinnen kann täuschen. Mach den Winteroverall sofort auf, sobald du mit deinem Baby in ein warmes Geschäft oder Café kommst oder in den Bus steigst. Darunter stauen sich Schweiß und Körperwärme, und aus geröteten Wangen werden in wenigen Minuten knallrote.

Sonnenschutz ab UV-Index 3
Sonnenschutz heißt nicht, ein Baby von Kopf bis Fuß einzucremen. Es geht darum, direkte UV-Strahlung von der Haut fernzuhalten, sobald der UV-Index bei 3 oder höher liegt.
Die meiste Arbeit machen das Verdeck, ein Sonnenschirm zum Anklemmen und leichte Kleidung mit langen Ärmeln. Halt die Öffnung des Kinderwagens frei und luftig. Häng nie eine Decke oder ein Mulltuch als Schatten davor, denn darunter kann schnell ein gefährlicher Hitzestau entstehen.
Unter 6 Monaten sollten Babys gar nicht in die direkte Sonne. Sonnencreme kann ihre junge Haut reizen, und sie überhitzen leichter. Findest du wirklich keinen luftigen Schattenplatz, frag in der Kinderarztpraxis, ob du ein wenig mineralische Sonnencreme auf kleine freie Stellen wie Gesicht und Hände auftragen kannst.
Ab 6 Monaten ist Sonnencreme eine verlässliche Ergänzung. Sie kommt auf die Stellen, die Kleidung und Schatten frei lassen, etwa Nase, Wangen und Handrücken. Hut und Schatten bleiben aber der wichtigste Schutz.

Luftiger Schatten
Verdeck, gut befestigter Sonnenschirm oder ein luftiger Platz im Schatten halten die direkte Sonne ab, und frische Luft kommt trotzdem durch.

Hut mit Krempe
Eine weiche Krempe beschattet Gesicht, Ohren und Nacken, ohne über die Augen zu rutschen.

Ab 6 Monaten
Sonnencreme kommt auf die freie Haut, die Kleidung und Schatten nicht abdecken. Halt dich an die Angaben auf der Packung.
Wenn rote Wangen nicht vom Wetter kommen
Rote Wangen nach einem kalten Spaziergang verblassen meist, sobald dein Baby drinnen warm wird. Spröde Wangen dagegen bleiben rau, trocken oder wund.
Bleiben die roten Flecken oder ist die Haut Tag für Tag trocken, schuppig und rau, steckt vielleicht mehr dahinter als das Wetter. Neurodermitis, auch atopisches Ekzem genannt, wird in den kalten Monaten oft schlimmer, weil die Heizungsluft so trocken ist. Sie zeigt sich meist an typischen Stellen: an den Wangen, aber auch in den Ellenbeugen, in den Kniekehlen und auf der Brust.
Hat dein Baby schon eine rückfettende Pflege oder einen Behandlungsplan gegen Neurodermitis aus der Kinderarztpraxis, bleib dabei. Tausch eine verordnete Behandlung nicht gegen eine Wind- und Wettercreme aus der Drogerie. Solche Cremes können Duftstoffe oder Pflanzenöle enthalten, die empfindliche Haut zusätzlich reizen.

Wann Schluss ist mit Ausprobieren
Bei gereizten Wangen ist die Versuchung groß, ein Döschen nach dem anderen auszuprobieren. Viele Produkte übereinander machen entzündete Haut aber meist schlimmer. Wird die Haut nach einer Creme röter oder wird dein Baby unruhig, wasch sie mit warmem Wasser ab und lass sie weg.
Ist die Haut rissig, bildet Blasen, nässt oder zeigt gelbliche Krusten, lass die Wind- und Wettercreme weg und sprich mit deiner Hebamme oder der Kinderarztpraxis. Das sind Zeichen einer Infektion oder eines starken Schubs, keine einfache Reizung durch Winterwind.
Häufige Fragen
Ersetzt Wind- und Wettercreme eine warme Mütze?
Nein. Die Creme schützt nur die freien Stellen an den Wangen, auf denen sie liegt. Kopf, Ohren und Nacken schützen eine warme Mütze und winddichte Kleidung darüber.
Darf mein Baby unter sechs Monaten schon Sonnencreme bekommen?
Unter sechs Monaten schützt du dein Baby mit Schatten, einem Hut mit breiter Krempe und bedeckender Kleidung vor direkter Sonne. Gibt es wirklich keinen Schatten, frag in der Kinderarztpraxis, bevor du ein wenig Sonnencreme auf freie Haut aufträgst.
Was unterscheidet Wind- und Wettercreme von einer Creme gegen Neurodermitis?
Reine Vaseline ist beides: eine Fettschicht, die schützt, und eine rückfettende Pflege, die Feuchtigkeit in der Haut hält. Sie kann bei trockener Winterhaut und bei Neurodermitis helfen. Eine ärztlich verordnete Behandlung gegen Neurodermitis wendest du trotzdem weiter an.
Wann du ärztlichen Rat brauchst
- Die Haut ist offen, blutet oder tut bei Berührung stark weh.
- Es bilden sich Blasen oder Krusten, oder aus der Haut tritt klare oder gelbliche Flüssigkeit aus.
- Die Rötung breitet sich aus oder geht auch nach dem Aufwärmen drinnen nicht zurück.
- Ein neues Produkt löst plötzlich Schwellungen, Quaddeln oder starkes Unwohlsein aus.
Rote Wangen nach dem Spaziergang verblassen, sobald dein Baby drinnen warm wird. Ist die Haut wund, voller Bläschen, nässend oder dauerhaft gereizt, frag deine Hebamme oder die Kinderarztpraxis, statt die nächste Creme aus der Drogerie auszuprobieren.







