Darum geht es
Der Wetterbericht am Abend und die Zugluft im Flur führen leicht in die Irre. Draußen ist es vielleicht kühl und feucht, während im Schlafzimmer unterm Dach noch die Wärme des Nachmittags steht. Oder es zieht in einer Ecke, und sobald die Heizung ausgeht, wird es dort ein paar Grad kälter.
Für die Schlafkleidung zählt nur eine Zahl: die auf dem Thermometer direkt neben dem Babybett.
Kurz vor dem Schlafengehen aufs Thermometer schauen
Der britische Gesundheitsdienst NHS empfiehlt fürs Schlafzimmer 16–20°. Das ist ein Richtwert, keine Prüfung, durch die du fallen kannst. Die meisten Schlafzimmer liegen im Lauf des Jahres mal darüber, mal darunter. Ein kleines Zimmerthermometer gehört nah ans Babybett, auf Höhe der Matratze und weit weg von Heizkörpern, sonnigen Fensterbänken und Zugluft von draußen.
Lies die Temperatur dort ab, wo dein Baby wirklich schläft, am besten kurz vor dem Hinlegen. In den frühen Morgenstunden kühlen viele Schlafzimmer ab. Wird es nachts regelmäßig kühler, richte dich nach dem Wert, der den größten Teil der Nacht gilt, und nicht nach der kurzen Wärme am Abend.

Drei Möglichkeiten für die Nacht
Entscheide dich für eine Möglichkeit und bleib dabei. Der häufigste Fehler am Abend ist, aus Sorge doppelt einzupacken. Ein Schlafsack ist schon eine Decke zum Anziehen. Ein Pucktuch umhüllt den ganzen Körper. Und gut sitzende Schlafkleidung kann allein warm genug halten. Die Wärme stellst du mit der Kleidung darunter ein. Steck ein gepucktes Baby nie in einen Schlafsack, und leg nie eine lose Decke obendrauf.

Schlafsack
Schlafsack und Kleidung darunter gehören zusammen. Was darunter kommt, richtet sich nach dem Zimmer.

Ohne Schlafsack
Gut sitzende Schlafkleidung wärmt allein. Eine lose Decke kommt nicht ins Bett.

Pucktuch
Ein leichtes Pucktuch kommt über dünne Kleidung. Beim allerersten Drehversuch ist Schluss mit dem Pucken.
Schlafsack und Kleidung zusammen auswählen
Der Schlafsack ersetzt die Decke, mit der Kleidung darunter regelst du die Wärme. Der TOG-Wert sagt, wie warm der Schlafsack allein hält. Die übliche Empfehlung: 2,5 TOG bei 16–20°, 1,0 TOG bei 20–24° und 0,5 TOG bei 24–27°. Wie warm es am Ende wird, hängt aber auch davon ab, was dein Baby darunter auf der Haut trägt.
Die Tabelle zeigt Kombinationen, mit denen du gut anfangen kannst. Gibt der Hersteller für deinen Schlafsack etwas anderes an, gilt seine Tabelle.
Ab 28°
Windel
Kein Schlafsack.
24–27°
Kurzarmbody, Schlafsack mit 0,5 TOG
22–23°
Kurzarmbody, Schlafsack mit 1,0 TOG
20–21°
Langarmbody, Schlafsack mit 1,0 TOG
18–19°
Langarmbody, Schlafsack mit 2,5 TOG
17° und kälter
Strampler, Schlafsack mit 2,5 TOG
Ab 28° bleibt der Schlafsack weg, dann kann die Windel allein reichen. Ob das passt, fühlst du an Brust oder Nacken. Ist das Zimmer kühl, nimm lieber einen wärmeren Schlafsack, statt dicke Fleeceanzüge in einen dünnen zu stopfen. Der Schlafsack sollte an der Brust bequem sitzen, ohne einzuengen oder sich zu bauschen.
Ohne Schlafsack: Die Kleidung wärmt allein
Gut sitzende Kleidung kann die ganze Wärme übernehmen. Wer selbst unter einer dicken Bettdecke schläft, dem kommt ein Baby im dünnen Baumwollstrampler schnell zu leicht angezogen vor. Leg trotzdem keine Decke ins Babybett. Eng anliegende, atmungsaktive Kleidung hält die Wärme nah am Körper, und kein loser Stoff kann übers Gesicht rutschen.
Ab 28°
Windel
24–27°
Kurzarmbody
22–23°
Strampler
20–21°
Langarmbody, Strampler
18–19°
Langarmbody, Wattierter Schlafanzug
17° und kälter
Langarmbody, Wollsocken, Wattierter Schlafanzug
Bei 22–23° reicht meist ein einzelner Strampler aus Baumwolle. Ist es kühler, kommt ein Langarmbody darunter. Je wärmer das Zimmer, desto weniger braucht es: Ab 28° steht in der Übersicht nur noch die Windel.
Pucken ist nur für eine kurze Zeit gedacht
Ein dünnes Pucktuch sieht leicht aus, doch der gewickelte Stoff hält die Körperwärme schnell fest. Darunter reicht deshalb meist wenig: je nach Zimmer ein leichter Body oder nur die Windel. Ein gepucktes Baby kommt nie in einen Schlafsack und nie unter eine Decke.
Ab 28°
Windel
Nicht pucken.
24–27°
Windel, Pucktuch
22–23°
Kurzarmbody, Pucktuch
20–21°
Langarmbody, Pucktuch
18–19°
Strampler, Pucktuch
17° und kälter
Strampler, Pucktuch
Ab 28° bleibt das Pucktuch ganz weg. Noch wichtiger: Beim Pucken gibt es eine klare Grenze. Achte ab 2 Monaten auf erste Drehversuche. Sobald sich dein Baby herauswindet oder versucht, sich zu drehen, ist noch am selben Abend Schluss mit dem Pucken. Die Arme müssen frei sein, damit ein Baby den Kopf selbst in eine andere Lage bringen kann. Wie der Wechsel zu Schlafkleidung mit freien Armen klappt, erklärt der Ratgeber zum Pucken.
Das Babybett braucht keine Dekoration
In den ersten 12 Monaten haben lose Decken, Kissen und Nestchen im Bett nichts zu suchen. Nach dem ersten Geburtstag kann in einem kalten Zimmer eine leichte Decke dazukommen, fest eingesteckt unterhalb der Achseln. Einfacher bleibt trotzdem der Schlafsack. Der Kopf bleibt in jedem Alter frei.

Wenn das Zimmer wärmer oder kälter ist als empfohlen
Bei Hitzewellen im Sommer und Kälteeinbrüchen im Winter liegt das Schlafzimmer schnell weit außerhalb dieses Bereichs. Dass ab 28° die Windel allein reichen kann, kommt vielen Eltern erst einmal seltsam vor. Doch Überwärmung ist im Schlaf ein echtes Risiko.
Lass das Zimmer vor dem Schlafengehen abkühlen, so gut es geht. Halt tagsüber Vorhänge und Rollos geschlossen, damit keine Sonne hereinscheint. Öffne Innentüren oder Fenster, sobald die Luft draußen kühler ist. Ein Ventilator bringt warme, stehende Luft in Bewegung. Richte ihn aber nicht aufs Babybett, und leg das Kabel außer Reichweite.
Fällt die Temperatur unter 16°, halt das Zimmer so warm, wie es sicher geht. Das Babybett gehört aber nicht neben einen Heizkörper oder ein Heizgerät. Nimm einen wärmeren Schlafsack oder eine warme Schicht darunter. Setz deinem Baby zum Schlafen drinnen nie eine Mütze auf. Babys geben überschüssige Wärme über den freien Kopf ab, auch im kalten Zimmer.
Brust oder Nacken zeigen, ob es passt
Das Thermometer entscheidet beim Anziehen. Ob die Kleidung dann wirklich passt, zeigt dir die Haut deines Babys. Leg zwei Finger auf die Brust oder in den Nacken, unter den Kragen. Fühlt sich die Haut warm und trocken an, ist alles in Ordnung. Ist sie heiß, feucht oder verschwitzt, nimm eine Schicht weg oder wechsle zu einem leichteren Schlafsack. Ist die Brust kühl, kommt eine gut sitzende Schicht dazu.
An Händen und Füßen lässt sich die Wärme nicht ablesen. Der Kreislauf eines Babys ist noch nicht ausgereift und versorgt zuerst Herz und lebenswichtige Organe, deshalb fühlen sich Finger und Zehen oft kühl an, und das ist normal. Die Sorge wegen kalter Hände um 02:00 ist der häufigste Grund, warum Eltern ihr Baby aus Versehen zu warm anziehen. Verlass dich lieber auf Brust und Nacken. Wie du richtig fühlst, erklärt der Ratgeber Ist meinem Baby zu warm oder zu kalt?
Häufige Fragen
Kann ich eine Decke über den Schlafsack legen?
In den ersten 12 Monaten nicht. Ist das Zimmer kalt, wähle wärmere Kleidung darunter oder einen Schlafsack mit höherem TOG-Wert. Eine lose Decke über dem Schlafsack kann leicht übers Gesicht rutschen.
Braucht mein Baby zum Schlafen eine Mütze?
Nein. Setz einem schlafenden Baby drinnen nie eine Mütze auf. Babys geben überschüssige Wärme über Kopf und Gesicht ab. Ein bedeckter Kopf erhöht das Risiko einer Überwärmung.
Was mache ich, wenn sich die Temperatur im Zimmer nachts ändert?
Richte dich nach der Temperatur, die das Zimmer in den kältesten frühen Morgenstunden meist hat. Wachst du zum Füttern auf und merkst, dass es deutlich wärmer oder kälter geworden ist, fühl an Brust oder Nacken und ändere bei Bedarf eine Schicht.
Anzeichen für Überwärmung
- Brust oder Nacken fühlen sich heiß oder klamm an.
- Verschwitzter Nacken, feuchte Haare oder Hitzepickel.
- Gerötete Wangen oder schnelle, flache Atmung.
Nimm sofort eine Schicht weg oder wechsle zu einem leichteren Schlafsack, und lüfte das Zimmer, wenn es geht. Ist dein Baby schlaff oder schwer zu wecken, ruf sofort den Rettungsdienst: in Deutschland die 112, in anderen Ländern die örtliche Notrufnummer. Wirkt es sonst krank, ruf in der Kinderarztpraxis an.














